Wie Freiheit Wissen schafft

Eine digitale Reise durch Geschichten von Mut, Widerstand und der Bedeutung freier Wissenschaft für unsere Demokratie.

Was bedeutet freie Forschung?

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Forschung beginnt oft mit einer Frage.
Mit dem Wunsch, etwas genauer zu wissen. Etwas zu überprüfen. Etwas nicht einfach hinzunehmen.

Doch eine Frage kann gefährlich werden.

“Wissen Sie, wenn man keine Pläne für seine Zukunft hat, geschweige denn Träume, kann man nicht weitermachen. Ich beschloss, ins Ausland zu gehen…”

– Aisha, Türkei

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Aishas Geschichte
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Die Menschen, deren Stimmen hier zu hören sind, haben genau das erlebt. Sie forschten, lehrten, schrieben, widersprachen — und wurden dafür bedroht, entlassen, verfolgt oder zur Flucht gezwungen.

“Es kam zu Protesten, weil Menschen das Gefühl hatten, nicht gehört zu werden, zum Schweigen gebracht zu werden.”

Vasil, Belarus

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Vasils Geschichte (Interview in englischer Sprache)
Vasils Geschichte (Interview in englischer Sprache) Vasils Geschichte (Interview in englischer Sprache)
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Silla, Afghanistan

„Das selbst genähte Kleid meiner Mutter erinnert mich an die Tapferkeit und Widerstandsfähigkeit der afghanischen Frauen.“

Ray, Hongkong

„Ich möchte ein freier, kritisch denkender Mensch sein. In einem autoritären Staat gibt es keine Freiheit.“

Mohamed, Sri Lanka

„Wenn man gegen die Ungerechtigkeit aufsteht, wird man zur Zielscheibe.“

Housamedden, Syrien

„Wenn man seinen Prinzipien folgt, riskiert man nicht nur sein Leben, sondern auch das der Familie.“

Neda, Iran

„In einem totalitäten Regime entscheidest du dich entweder für Selbstzensur oder dafür eine frei denkende Person zu sein – bei letzterem mit Bedrohung als Konsequenz.“

Die Erfahrungsberichte von geflüchteten Wissenschaftler*innen werfen einen Blick auf Menschen, die persönliche Risiken auf sich genommen haben, um sich gesellschaftlich einzusetzen, zum Beispiel in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen.

Wärst du angesichts solcher Risiken zu so einem Einsatz bereit?

Wie frei ist Wissenschaft weltweit?

Wer forschen darf, wer lehren darf, wer öffentlich sprechen darf — das hängt nicht nur von der eigenen Haltung ab. Es hängt auch davon ab, wo ein Mensch lebt.

In welchem politischen System.

Unter welchen Gesetzen.

Unter welchem Druck.

“Ohne Freiheit gibt es keine Wissenschaft.”

Housamedden, Syrien

Manche Forschende können ihre Ergebnisse veröffentlichen, auch wenn sie unbequem sind. Andere müssen abwägen: Was darf ich sagen? Wer liest mit? Wen bringe ich in Gefahr, wenn ich meinen Namen unter einen Text setze?

Academic Freedom Index (AFI)

Die Weltkarte des Academic Freedom Index (AFI) zeigt diese Unterschiede und vermittelt einen Überblick über den Grad von Wissenschaftsfreiheit weltweit. Sie macht sichtbar, was in persönlichen Geschichten oft nur als Gefühl beginnt: Unsicherheit, Kontrolle, Selbstzensur, Angst.

“Zwischen 2015 und 2025 ist Wissenschaftsfreiheit in 50 Ländern zurückgegangen, während es lediglich in 9 Ländern positive Entwicklungen gibt.”

Academic Freedom Index, Update 2026

Academic Freedom Index 2025. FAU Erlangen-Nürnberg and V-Dem Institute.
Klicke auf die Punkte, um die jeweiligen AFI-Werte der Länder zu zeigen.

Die fünf Kriterien des Academic Freedom Index (AFI)

2.329 Wissenschaftler*innen erfassen und bewerten den Academic Freedom Index. Der AFI zeigt den Zustand der Wissenschaftsfreiheit in 179 Ländern und bietet damit den umfassendsten Datensatz zum Thema der Wissenschaftsfreiheit weltweit. Der AFI basiert auf fünf Kriterien.

Ist die Lehre und Forschung frei von Störungen und Einmischungen?

Wie frei ist der wissenschaftliche Austausch und die Veröffentlichung?

Zu welchem Grad sind Universitäten selbstbestimmt und eigenständig?

Ist der Campus frei von politisch motivierter Überwachung?

Besteht Freiheit in der Thematisierung politischer Fragen?

Deutschland - freie Wissenschaft im Grundgesetz

“Vor einiger Zeit hatte ich eine Studie durchgeführt, die ein paar Leuten nicht gefallen hat. Danach wurde die Studie medial von einer bestimmen Seite heftig skandalisiert. Neben diffusen Bedrohungen gegen mich in Kommentarspalten waren auch ganz konkrete Morddrohungen darunter.”

Sven, Deutschland

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Svens Geschichte
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In Deutschland ist Wissenschaftsfreiheit ein Grundrecht.

“Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.”

Grundgesetz Art. 5 (3)

Doch Grundrechte sind mehr als Sätze auf Papier. Sie sind Versprechen einer Gesellschaft: dass Erkenntnis nicht von politischer Zustimmung abhängen darf. Dass Forschung auch dann geschützt ist, wenn sie irritiert, kritisiert oder Widerspruch auslöst.

Wissenschaftsfreiheit schützt den Forschungsprozess von der Idee bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse.

Während Wissenschaftsfreiheit die Unabhängigkeit und Autonomie der Forschung schützt, sorgt Forschungssicherheit dafür, dass wissenschaftliche Arbeit vor Bedrohungen und Risiken geschützt ist.

Die Förderung beider Konzepte ist entscheidend für die Entwicklung einer offenen und innovativen Wissenschaftslandschaft, die zum gesellschaftlichen Fortschritt beiträgt.

Alles gut in Deutschland? Nicht ganz.

Die im Grundgesetz verankerten Freiheiten sind keine Garantie dafür, dass in unserer Gesellschaft „alles gut“ ist.

Rechte und Freiheiten müssen aktiv verteidigt und ausgehandelt werden.

Einschränkungen und Bedrohungen von ganz verschiedenen Seiten gibt es auch bei uns, wie der Fall von Sven und andere zeigen.

Wissenschaftsfreiheit steht nicht allein.

Sie berührt andere Freiheiten: Meinungsfreiheit, Kunstfreiheit, Versammlungsfreiheit, politische Teilhabe.

Sie zeigt sich nicht nur in Universitäten oder Laboren, sondern auch im Alltag.

Weitere Freiheiten in einer Demokratie

“Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.”

Grundgesetz, Artikel 5, Abs. 1 (Originaltext, daher nicht gegendert)

Wie grenzt sich Meinungsfreiheit zu Wissenschaftsfreiheit ab?

Wissenschaftsfreiheit

Wenn du forschst …
  • startest du mit bestimmtem Wissen und Vorkenntnis
  • suchst du nach Wahrheit
  • prüfst du selbstkritisch, ob dein Vorgehen zu neuen Erkenntnissen führt
  • überprüfst du deine Ergebnisse gegenseitig mit anderen Forschenden
  • machst du deine Beweisführung sichtbar, nachvollziehbar und wiederholbar
Sie gilt nicht, ...
  • wenn du als forschende Person in Grundrechte eingreifst (körperliche Unversehrtheit, Schutz von Natur und Tier).
  • wenn Berufsregeln (z.B. ethische Aspekte) bestimmte Forschungen und Methoden verbieten

Meinungsfreiheit

Wenn du deine Meinung äußerst …
  • brauchst du keine Vorkenntnisse
  • ist dies keine Tatsache
  • betrifft diese politische, eigene, öffentliche oder private Themen
  • zeigt diese deine persönlichen Empfindungen oder Werte
  • musst du sie nicht beweisen
Sie gilt nicht, ...
  • wenn Menschen in ihrer persönlichen Ehre verletzt werden.
  • wenn der Schutz von Jugendlichen und Kindern missachtet wird.
  • wenn Strafgesetze missachtet werden

Meinungsfreiheit

Werden junge Menschen zwischen 14 und 20 Jahren gefragt, ob sie sich frei fühlen, stimmen die meisten der Befragten in Deutschland zu (80%).

Ungefähr genauso viele (79%) sind besorgt um ihre zukünftige Freiheit.

“Kunst und Wissenschaft sind frei (…)”

Grundgesetz, Artikel 5, Abs. 3

Kunstfreiheit

Das Recht auf Kunstfreiheit ist in Art. 5 Abs. 3 durch die Verfassung geschützt – es sei denn sie kollidiert mit anderen Grundrechten.

Bei der Kunstfreiheit gibt es vielmehr ein Definitionsproblem: Was ist ,Kunst‘? Wer entscheidet, was unter Kunst fällt – und was nicht? Welchen Regeln folgt ein Gegenstand, der sich gerade über seine Offenheit definiert?

Wie aktivistisch kann, soll und darf Wissenschaft sein?

Was macht die Wissenschaft, wenn sie untersucht, wie Menschen ausgegrenzt werden, wie der Klimawandel voranschreitet, oder eine demokratisch gewählte Partei eine demokratiefeindliche Haltung entwickelt?

Sollte sie eingreifen, oder sich darauf beschränken, Wissen zu vermitteln?

Welche Rolle hat die Wissenschaft / haben Wissenschaftler*innen in unserer heutigen Zeit?

Was ist Aktivismus?

Der Philosoph Karl Popper definiert Aktivismus als „die Neigung zur Aktivität und die Abneigung gegen jede Haltung des passiven Hinnehmens“.

Wie hängt Aktivismus mit Wissenschaft zusammen?

Als ein Beispiel für den Zusammenhang zwischen Aktivismus und Wissenschaft kann die globale Klimabewegung genannt werden.

Fridays for Future Demonstration in Berlin am 15.09.2023, Source Own work, Author CEK2004 (Wikimedia Commons)

Eine wichtige Unterscheidung, die in Bezug auf Wissenschaft – Aktivismus bzw. politisches Engagement getroffen werden kann, ist die zwischen dem / der Wissenschaftler*in in der Funktion der / des Forschenden oder als Privatperson.

Dass diese Unterscheidung nicht immer eindeutig ist, zeigen die Geschichten der verfolgten oder bedrohten Forschenden.

Eine demokratische Gesellschaft braucht Menschen, die fragen dürfen. Die widersprechen dürfen. Die nach Belegen suchen, statt nur Meinungen zu bestätigen. Wissenschaftsfreiheit schützt nicht nur die Wissenschaft. Sie schützt die Möglichkeit, gemeinsam eine informierte Zukunft zu gestalten.

Der Ursprung dieser digitalen Ausstellung

„Ist Freiheit in der Wissenschaft für uns alle relevant?“. Rund um diese Frage entwickelten die ConflictA und das Historische Museum Bielefeld eine Ausstellung im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2024 „Freiheit“. Zwei Jubiläen unterstrichen 2024 die Bedeutung von Freiheit für Deutschland: 75 Jahre Grundgesetz und 35 Jahre Mauerfall. Sieben Standorte beleuchteten das Verhältnis von Wissenschaft, Freiheit und ihre Bedeutung vor Ort und im Alltag der Menschen.
Ausstellungsraum mit durchsichtigen beschrifteten Trennwänden. Auf einer Trennwand ist eine farblich abgestufte Weltkarte mit der Überschrift "Stand der Wissenschaftsfreiheit 2021" abgebildet.
Wandinstallation entlang eines Treppengeländers. Geometrische Text- und Bildflächen sind wie eine Mindmap durch orange beschriftete Elemente miteinander verbunden. Zu sehen sind unter anderem Demonstrationsfotos und die Frage: "Wie aktivistisch kann, soll und darf Wissenschaft sein?"
Ausstellungsraum mit durchsichtigen Trennwänden, auf denen sich Begriffe verschiedener Freiheiten überlagern, darunter Religionsfreiheit, Wahlfreiheit, Meinungsfreiheit und Pressefreiheit. Zwischen den Begriffen sind Piktogramme von Personen abgebildet.
Installation aus miteinander verbundenen bunten geometrischen Formen. Darauf befinden sich Fotos und Texte zu Forschungsfreiheit, Verfassungstreue und Meinungsfreiheit.
Ausstellungsraum mit durchsichtigen beschrifteten Trennwänden. An den Wänden sind kleine Monitore mit jeweils darunterhängenden Kopfhörern angebracht.
Kooperationspartner

Ein Projekt der ConflictA (Konfliktakademie der Universität Bielefeld) und des Historischen Museums Bielefeld

ConflictA, Konfliktakademie der Universität Bielefeld
Historisches Museum Bielefeld
Förderung

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2024 „Freiheit“

Wissenschaftsjahr Freiheit 2024
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Historisches Museum Bielefeld
ConflictA, Konfliktakademie der Universität Bielefeld
Universität Bielefeld