(Leicht gekürzte Fassung)
Ich komme ursprünglich aus der Türkei. Ich habe einen Bachelor- und einen Master-Abschluss in Psychologie und einen Doktortitel in Politikwissenschaft. Lange Zeit habe ich in einer Institution für die Regierung gearbeitet. Ich fing 2005 an, arbeitete dort bis 2016 und qualifizierte mich über einige Zusatzprüfungen.
Nach 2008 wurde diese Einrichtung mehr und mehr politisiert. Die Leitung wurde ausgetauscht, und 2012 wurde die Einrichtung geschlossen und dann an ein Ministerium übertragen. Das bedeutete auch, dass ich von einer Stadt in eine andere umziehen musste. Ich hatte zu der Zweit schon seit zwei Jahren mit meiner Promotion begonnen. Die neuen Leute in der Leitung behinderten meine Forschung und die anderer. Im Oktober 2016 veröffentlichte die Regierung ein Dekret, das den Ausnahmezustand verkündete, und im Anhang waren die Namen von Personen aufgeführt, die nicht mehr für staatliche Einrichtungen zugelassen waren. Ihre Renten wurden für ungültig erklärt. Ich wurde aus meinem Job geworfen, wahrscheinlich weil ich eine Friedenspetition unterzeichnet hatte. Nach meiner Entlassung wurde ich "aus der Öffentlichkeit verbannt" - mir wurde sogar verboten, die Gebäude von Regierungsbehörden zu betreten.
Nach 2016 habe ich dann verstanden, dass das nicht funktioniert. Ich konnte kein Geld verdienen und meine Familie nicht versorgen, auch mein Partner verlor seinen Job. Und bis heute wissen wir nicht, warum. Im Jahr 2017 hatte ich einen befristeten kleinen Job als Forscherin. Aber zunächst nur für zwei Monate, dann hörte er auf, dann für drei Monate, dann hörte er auf, und so weiter. 2018 bewarb ich mich um ein Stipendium, das ich tatsächlich für neun Monate bekam, um an meiner Doktorarbeit zu arbeiten. Wissen Sie, wenn man keine Pläne für seine Zukunft hat, geschweige denn Träume, kann man nicht weitermachen. Ich beschloss, ins Ausland zu gehen.
Ich bewarb mich bei einer Stiftung in Deutschland. Ich kannte einige Leute aus der Türkei an einer deutschen Universität, also habe ich mich dort beworben, und dort bin ich jetzt noch. Die deutsche Stiftung hat mir ein Stipendium gewährt, das im September 2018 beginnt. Aber ich konnte die Türkei nicht einfach verlassen, weil die türkische Regierung meinen Pass annulliert hat. Die Polizei hätte mich am Flughafen aufgehalten, wenn ich versucht hätte, die Türkei mit dem Flugzeug zu verlassen.
Also beantragte ich bei einem deutschen Konsulat ein Visum mit meinem Stipendium und einer Einladung von einer Universität in Deutschland. Das Visum wurde innerhalb eines Tages erteilt. Ich habe die Türkei illegal verlassen, werde aber keine weiteren Einzelheiten dazu nennen. Ich bereue es nicht, die Türkei verlassen zu haben, niemals, nichts davon - denn es gibt nichts, was ich hätte tun können.
Mein Leben ist jetzt immer noch unsicher und ungewiss, aber zumindest bin ich jetzt glücklich. Ich weiß wirklich nicht, ob ich für den Rest meines Lebens in Deutschland bleiben werde, aber ich weiß mit Sicherheit, dass ich nie wieder in die Türkei zurückkehren werde. Es ist mir sehr wichtig zu sagen, dass ich diese Petition wieder unterschreiben würde. Und das Solidaritätsnetzwerk um mich herum war ziemlich stark. Kolleg*innen haben mich wirklich unterstützt, in dieser Hinsicht hatte ich Glück.